Ohne Substanz zum veränderten Bewusstsein: Was eine Floating-Studie zeigt – und was nicht

Kann man in einen bewusstseinsverändernden Zustand geraten, ohne eine einzige Substanz zu nehmen? Eine im August 2026 in Neuroscience of Consciousness erschienene Arbeit legt nahe, dass Floating genau das kann – zumindest in Ansätzen. Für das dabei beschriebene Erleben prägen die Autoren um Theo Tobel den Begriff „Aquahenosis“, ein hybrides Kunstwort aus lateinisch aqua und griechisch henosis (Einung): ein Zustand aus intensiverer Innenwahrnehmung, dem Gefühl von Einheit und einer als angenehm erlebten Auflösung der Grenze zwischen Selbst und Umgebung.

Wichtig ist von Anfang an die Einordnung: Es handelt sich nicht um eine neue Erhebung, sondern um eine Sekundäranalyse eines bereits 2024 publizierten randomisierten Feasibility-Trials. Die Daten wurden also nachträglich unter einer neuen Fragestellung ausgewertet. Die Autoren selbst nennen ihre Ergebnisse ausdrücklich explorativ – hypothesengenerierend, nicht beweisend.

Der Aufbau

Floatation-REST (Reduced Environmental Stimulation Therapy) reduziert äußere Reize systematisch: Der Körper schwebt in stark mit Epsom-Salz gesättigtem Wasser, dessen Temperatur der Hauttemperatur entspricht; Licht und Geräusche werden weitgehend abgeschirmt. Viele Signale, über die wir normalerweise Körper und Position im Raum wahrnehmen, verlieren dadurch an Bedeutung.

Ursprünglich wurden 75 Erwachsene mit Angst und Depression zufällig drei Bedingungen zugeteilt: Floating mit fest vorgegebenem Zeitpunkt und 60 Minuten Dauer (über sechs Wochen), Floating mit frei wählbarer Dauer und Frequenz (bis zwei Stunden, über zwölf Wochen) sowie – als aktive Kontrolle – Sitzungen in einem Zero-Gravity-Stuhl in einem abgedunkelten Raum. Dass die Kontrollgruppe nicht einfach nichts tat, sondern eine strukturell ähnliche Bedingung durchlief, ist eine methodische Stärke der Studie.

Entscheidend für die Aussagekraft: Die Auswertung der Bewusstseinszustände beruht am Ende auf nur 57 Teilnehmenden, die alle sechs Sitzungen und den entscheidenden Fragebogen abgeschlossen haben. Die Zahl der Fälle ist damit klein – ein Punkt, den auch die Autoren als Limitierung benennen.

Was sich verändert

Während des Floatens nahmen die Teilnehmenden Herzschlag und Atmung intensiver wahr; auch „Body Listening“ und „Emotional Awareness“ waren erhöht. Bemerkenswert ist, dass die Körperwahrnehmung trotz fehlender äußerer Reize nicht einfach schwächer wird, sondern sich nach innen verlagert.

Am deutlichsten fielen die Unterschiede beim sogenannten Oceanic Boundlessness aus – jenem Gefühl, bei dem die Grenzen des eigenen Selbst weniger scharf erscheinen und ein Eindruck von Verbundenheit entsteht. Auch Disembodiment (verändertes Körpererleben) und Experience of Unity waren stärker ausgeprägt als in der Kontrollgruppe. Die stärksten Effekte zeigten sich in der Gruppe, die Zeitpunkt und Dauer selbst bestimmen konnte – bei durchschnittlich rund 75 Minuten pro Sitzung. Ob das an der längeren Dauer, an der größeren Autonomie oder an beidem liegt, lässt die Studie offen.

Ähnlichkeit mit Psychedelika – mit Vorbehalt

Spannend ist der Vergleich mit veränderten Bewusstseinszuständen unter Psychedelika. Tatsächlich fanden die Forschenden Überschneidungen mit Erfahrungen unter Psilocybin und Ketamin, vor allem bei der Auflösung von Körper- und Selbstgrenzen; bei niedrigen Psilocybin-Dosen unterschieden sich einzelne Dimensionen statistisch nicht deutlich vom Floating.

Dieser Vergleich verdient jedoch Zurückhaltung. Die Psychedelika-Werte stammen nicht aus derselben Untersuchung, sondern aus fremden Datensätzen anderer Studien mit anderen, teils gesunden Teilnehmergruppen. Verglichen wurden also nicht dieselben Personen unter beiden Bedingungen, sondern Mittelwerte aus getrennten Quellen – eine grafische, keine direkte statistische Gegenüberstellung. Die typischen visuellen und wahrnehmungsverändernden Effekte der Psychedelika fehlten beim Floating weitgehend; die Überschneidung betrifft allein die Grenzauflösung.

Fazit

Der Wert der Arbeit liegt weniger im Nachweis, dass Floating entspannt, als im Hinweis darauf, dass sich bestimmte veränderte Bewusstseinszustände offenbar allein durch die Gestaltung der sensorischen Umgebung hervorrufen lassen – ohne Droge/Medikament, mit gutem Sicherheitsprofil. Floating bildet dabei nicht das volle Spektrum psychedelischer Erfahrung nach, sondern ein schmales Profil: weniger äußere Wahrnehmung, mehr innere, eine sanfte Auflösung der gewohnten Grenzen.

Für die Bewusstseinsforschung ist gerade diese Selektivität interessant, weil sie ein kontrollierbares Modell verspricht, um zu verstehen, wie das Gehirn ein abgegrenztes „Selbst“ erzeugt.

Link zur Studie